Auszüge aus dem Audio-Tagebuch von Amanda C. McCoy


15. März 2072

Der Idiot scheint gar nicht so übel zu sein. Er bringt mich zum Lachen .. und das, obwohl ich ihn anfangs nur verachtet habe. Er ist wirklich gut darin. Aber er will mir nicht sagen, warum er hier ist. Ein wenig merkwürdig find ich das schon.
Himmel, die Implantate jucken!

16. März 2072

Thomas zeigte mir heute die wunderbare Welt der Matrix. Er ist wohl so was wie ein Decker und hat es irgendwie geschafft, sich und den Krankenbettmonitor so zu verkabeln, dass er mir einiges zeigen konnte. Ich geb zu, ich bin schwer beeindruckt.
Er blätterte für mich durch den Katalog mit den Cyberimplantaten und zeigte mir dabei nette Sachen. Er zeigte mir meine Krankenakte und erklärte mir dann die Implantate. Die Cyberbeine unterscheiden sich kaum von echten. Zumindest vom äußeren. Schickt verkleidet. Pradas kann ich aber vergessen. Die dürften das Gewicht nicht aushalten. Sprich ich bin bis ans Ende meiner Tage zur Turnschuhqueen verurteilt?
Das geht irgendwie so gar nicht. Da muss ich mir wirklich was einfallen lassen!

17. März 2072

Ich hab Thomas überredet, ein wenig an meiner Krankenakte rumzuspielen. Wenn ich schon stählernde Monstren als Extremitäten kriege, dann bitte richtig. Im Katalog waren so genannte Kid Stealth Beine abgebildet. Die sind sogar gerade auf Lager. Wenn alles gut gegangen ist, hab ich die heute Abend an meinem edlen Rumpf. Die und ein paar andere Kleinigkeiten, die mir nutzbringend erscheinen. Bin gespannt, ob die das echt machen. Eigentlich müsste das ja auffallen.

18. März 2072

Unglaublich. Sie haben es getan. Naja, es stand ja auch so in meiner Krankenakte. Das System funktioniert. Ordentlich, sauber, nach Plan.
Fühlt sich komisch an. Und ob das mit dem Schwanz wirklich so eine gute Idee war? Irgendwie bezweifle ich das gerade. Ich glaub, ich muss erst lernen, das Ding zu kontrollieren. Ist momentan ja auch noch alles frisch und tut, wenn ich nicht aufpasse monstermäßig weh. Thomas amüsiert sich köstlich neben mir. Ich glaub, er hat die Akte eher zu seinem eigenen Vergnügen geändert. Er ist wirklich ein seltsamer Typ.

18. März 2072 - Nachtrag

Eigentlich wollten meine Eltern heute Abend vorbeikommen. Aber natürlich war da dieses superwichtige Meeting und jenes spontan einberufene Treffen mit diesem superwichtigen Geschäftskunden Es ist immer das gleiche.
Naja, gibt mir noch Gelegenheit, die leichten Modifikationen an meinem Äußeren zu erklären. Mir ist da noch nichts Schlüssiges eingefallen.

20. März 2072

Meine Eltern hatten immer noch keine Zeit. Daddy ist irgendwo an der Ostküste unterwegs und Mom wurde nach Memphis geschickt. Unser Buddler war kurz da und hat mir ein paar Sachen vorbei gebracht. Immerhin.

24. März 2072

Die Beine sind superstark. Also auch im wörtlichen Sinne. Thomas gab mir noch ein paar nützliche Tips und zeigte mir, wie ich meine neue Datenbuchse anwende. Außerdem gestand er mir, mich noch etwas weiter getuned zu haben. Das System nennt sich Move-by-Wire und soll mich reaktionsschneller machen. Ich befürchte fast, dass es da eventuell noch weitere "Extras" gibt. Als ich ihn danach fragte, grinste er nur sein einnehmendes Grinsen.
Heute Abend wollen wir CS zocken. In der Matrix. Über meine neue Datenbuchse. Ich hab von dem Spiel schon gehört und es auf normalen Monitoren gesehen. Sah fürchterlich primitiv aus. Aber Thomas zuliebe werd ich mir das einfach mal mitansehen.

25. März 2072

Bei allen Göttern und Drachen gleichzeitig, was bin ich müde. Wir haben die ganze Nacht durchgespielt. Das war total irre. Ich hätte nie gedacht, dass es solchen Spaß macht, Menschen abzuballern. Hehe. Ich glaub, das ist genau das, wonach ich mich immer gesehnt habe. Thomas war erstaunt, wie gut ich innerhalb kürzester Zeit geworden war. Nach so was wie CS hab ich all die Jahre lang gesucht. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, die Köpfe der Bots (und der Onlinemitspieler) durch gewisse Fotos auszutauschen. Ich denke, Thomas könnte das.

25. März 2072 - Nachtrag

Thomas hat mir eben seinen Kontakt gegeben. Wenn ich hier raus bin, muss ich ihn unbedingt anrufen.

26. März 2072

Morgen früh wollen meine Eltern kommen und mich auch gleich mitnehmen. Na endlich. Ich frag mich, wie der Konzern es ohne die beiden nur fünf Minuten aushalten kann. Und sie brauchen mindestens eine Stunde hierher und wieder zurück. Einfach unglaublich.
Thomas guckt so seltsam, seit er es erfahren hat. Wenns nach ihm ginge, dürfte ich wohl noch eine Weile hier bleiben. Ich geb zu, so ganz glücklich bin ich auch nicht. Ich befürchte, es ist nur zum Teil wegen der noch fälligen Erklärung bezüglich meines Unterteils.

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