Auszüge aus dem Audio-Tagebuch von Amanda C. McCoy


12. März 2072

Ich hab gerade mein Tagebuch wiedergefunden. Wie nett, dass es mich sogar hierhin mitbegleitet. Die Ärzte wollen mir wohl eine Freunde machen. Ganz toll.

Es ist echt alles schief gegangen. Naja, ich leb noch. Also das meiste von mir. Diese Hunde, die mich entführten, wollten mich wohl zur Übergabe bringen. Oder zu einem sicheren Ort. Denn erschießen hätten sie mich wohl auch da können. Ich würde sagen, das holde Befreiungsteam hats gründlich vermasselt. Wenn ich hier raus bin, werd ich die auf Summen verklagen, dass sogar noch die Enkel ihrer Enkel mit dem Zinsenabstottern beschäftigt sind!

Wir waren mit dem Van in der Nähe von irgendeinem Lagerplatz, als die unglaublichen Retter zuschlugen. Am Anfang wurde ich noch von dem Ork mit gezerrt. Mit verbundenen Augen über unebenen Sandboden, der mit irgendwelchen Schrott gespickt ist. Und das ganze im schmalen Abendkleid auf Pradas mit Pfennigabsätzen. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Ballettunterricht mal diese Anwendung erfährt. Im Laufe eines Schusswechsels konnte ich mich losreißen. Sie hatten mir meine Hände gefesselt, was die Fortbewegung auf diesem Abenteuerspielplatz für Battlemechs noch zusätzlich erschwerte. Ich hätte ja gerne meine Schuhe ausgezogen, aber der Untergrund hätte mir meine Füße komplett zerschnitten. Derzeitig lache ich nur noch über diese Vorstellung. Ich hatte mich jedenfalls verkrochen und war beschäftigt, die Hacken irgendwie abzubrechen, als ich die Explosion hörte. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Retter im Gegensatz zu den Entführern überlebten, kann ich wohl davon ausgehen, dass sie dafür verantwortlich waren. Ich sah zumindest einen Haufen Holz, Plastik und Metall in die Luft steigen. Und ich bekam eigentlich auch sehr schnell mit, dass sich ein Teil davon auf mein Versteck zubewegte. Nun ist die Umsetzung des schnell Aufspringens und Wegrennens im Abendkleid mit Stöckelschuhen eine erhebliche Erschwernis. Ich hätte es fast geschafft. So wurde es nur ein halber Sprung, denn eine Metallplatte erreichte mich früher und trennte meine Beine recht akkurat vom Rest meines Körpers. Irgendwas anderes erwischte meinen eh schon recht lädierten Kopf und verpasste mir so innerhalb kürzester Zeit die zweite Gehirnerschütterung. Zumindest blieb mir vorerst der Schock erspart, den ich mir nach dem Erwachen dann gestern antun durfte.

Wenn um dich herum ein Haufen von Ärzten steht, die alle total mitleidig auf dich herab blicken und du danach feststellst, dass die Bettdecke ein paar Beulen zu wenig aufweist, dann ist das nicht gerade angenehm.
Ballettkönigin werd ich jedenfalls erst einmal nicht mehr. Und die Sache mit dem Turnen hat sich wohl auch erledigt. Zu meinem Geburtstag letztens hab ich ein Paar neue Schuhe bekommen. Original Escada. Ich habe sie noch nicht einmal anprobiert.

14. März 2072

Komme grad aus dem OP. Sie sagen, sie hätten die Vorbereitungen für meine Prothesen getroffen, die in drei Tagen implantiert werden sollen. Leider hab ich nicht so ganz hingehört. War etwas von Verstärkung und so. Irgendwie ist mir gewaltig schlecht.

14. März 2072 - Nachtrag

Das ist Unerhört. Unverschämt. Unverantwortlich! Ich habe das Recht auf ein Einzelzimmer. Meine Eltern bezahlen die teuerste Krankenkasse überhaupt. Und jetzt schieben die mir so einen grinsenden Idioten dazu. Sobald ich hier raus bin, reiche ich eine Beschwerde an das Krankenhauspersonal ein!

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