Rettet die Regenwälder!


2006-09-22

"Rettet die Regenwälder!" vernehme ich andauernd in irgendeiner abgewandelten Form auf zum Teil doch recht regenwaldfremden Produkten. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass Bier neuerdings durch das gezielte Hineintreiben eines Zapfhahns in einen lebenden, im Wald stehenden Baum gewonnen wird.

Wenn also unsere Wälder so wertvoll sind, warum muss ich nach drei Tagen Abstinenz vom heimatlichen Wohnort mit einem Bollerwagen zum Briefkasten karren? Und es ist ja dann auch nicht damit getan, einfach nur den Briefkasten zu leeren. Die für uns zuständige Postfachangestellte mit Transportaufgaben hat ein wahrlich einmaliges Stausystem entwickelt. Das wirklich besondere daran ist, dass sich die gesamte untere Hälfte des Briefkastens als nahezu leer präsentiert (wir besitzen das länge- und breitenflache und höhentiefe Modell mit dem Top-Down-Einwurf und der geschmeidigen Frontklappe für den Endbenutzer). Und dann kommt der Pfropfen Marke OB. Der lässt nichts durch. Nein, überhaupt nichts. Zum Entfernen des baumgewachsenen Zustellungsmaterials aus der Einwurfbox braucht man ein Brecheisen.

Dieses besondere Stausystem bringt es nun auch mit sich, dass sämtliche Papierchen nutzbringende Origamifaltvorlagen eingestempelt bekommen haben. Leider reichte meine Faltkunst bislang nicht aus, die Endmodelle im fertigen Zustand bewundern zu können. Auch das mangelnde, künstlerische Feingefühl von Angestellten im öffentlichen Dienst sei hier mal angeprangert. Ich kann die Formulare auch nur so wieder zurücksenden, wie ich sie kunstfertig aus meinem Briefkasten heraushebel. Wenn es nur das Vorfaltmuster ist, war es eh einer der besseren Tage. Denn manchmal regnet es bei uns und die Benutzung der Schließklappe über dem Einwurfschlitz ist halt eine sehr komplexe Handlung, die ohne genaues Handbuch, einer 10-jährigen Schulung, und einem immer erreichbaren Helpdesk nicht so ohne weiteres auszuführen ist.

Warum - kann man jetzt natürlich fragen - hat ein normaler Bundesbürgerhaushalt das Posteingangsaufkommen eines Mohammed-Karrikaturen-Zeichners? Dazu kann ich nur sagen, dass bei uns im Haushalt der Fehler gemacht wurde, eine Tageszeitung zu abonnieren. Das beinhaltet auch einen ganzen Packung Einkaufsinformationszettel - klever irgendwo zwischen den Seiten versteckt zu Läden, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Dann die normalen Werbewurfsendungen. Der Hinweis „Bitte keine Werbung einwerfen“ neigt dazu, irgendwie mit der Umgebungsluft eine homogene Masse zu bilden und somit regelmäßig zu verschwinden. Ich überlege, den Satz in die Blechdose einzugravieren. Dann gibt es natürlich eine ganze Reihe Fensterbriefe. Da wären zum einen die Briefe an einen Herrn T.G., der nie bei uns wohnte (auch kein Vormieter – bevor wir kamen, war das hier ein Stück Ackerland). Es ist auch kein Nachbar. Ich weiß nur, dass dieser Herr wohl eine ganze Menge von Post nicht bekommt. Und natürlich der übliche Krams, der sich rechnungsmäßig auf die interessantesten Stellen verteilt, von denen man nicht wusste, dass man ihnen Geld schuldet. Mittendrin in dem hochverdichteten Papierstopfen schmuggelt sich auch ab und an gerne ein Paketbriefchen von Ebay. Immer wieder eine hochspannende Angelegenheit. Bislang gab es jedoch überraschenderweise keine größeren Unfälle. (Sieht man mal von dem Fussballpaket mit Röhrenmonitorfüllung ab). Anscheinend werden all meine Verkäufer von derselben Postfachangestellten beliefert und haben sich verpackungstechnisch darauf eingestellt.

Wo ich nun also wieder höre, dass wir die Wälder bewahren müssen ... bitte Herr Krombacher, fang doch damit an, einfach meinen Briefkasten täglich zu leeren. Dann musst du auch nicht mehr soviel Bier trinken.


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