Peace Mutter Erde!


2007-09-11

"Beweg dich, erleb dich. Mach Frieden mit dir. Mach Frieden mit dir und der Erde. [..]"
Genervt tastet meine Hand zur Fernbedienung. Nicht, weil ich Nena nicht mag. Als ich den Song das erste mal (endlich mal vollständig!) gehört habe, musste ich sogar eingestehen, dass er eigentlich ganz gut ist. Es ist vielmehr die ProSieben-Volksverdummungs-Kampanie, die ihr Flaggschiff auf den glorreichen Namen "Kohlenstoffdioxyd" getauft hat. Jeden Tag versucht ein TV-Wahnsinn, der sich selber irrsinnigerweise als wissenschaftliche Sendung verkaufen möchte, die Zuschauer davon zu überzeugen, wie toll sie doch selber sind und wie schlecht der Zuschauer mit seiner Umwelt umgehe. Und mit der gleichen Anmaßung, mit der sich unsere bekannteste Yellowpress mit Jesus, Gandhi und anderen Nacktaffenwundern vergleicht, scheuten sie sich nicht davor, sich den Namen eines herausragenden, italienischen Naturwissenschaftlers zu geben. Zu seinen sterblichen Überbleibseln im Grabe kann ich nur sagen: "Und sie bewegen sich doch!". Genau genommen rotiert der Gute wohl inzwischen.

Zu meiner Verteidigung muss ich erwähnen, dass ich mitnichten das Pro7-Vorabendprogramm mit seinen pseudowissenschaftlichen Erklärungen anschalte. Aber es läuft halt nach Simpsons und ich bin nie schnell genug mit der Suche nach der Fernbedienung. Und so ertrage ich auch diesmal wieder die Selbstbeweihräucherung, dass es noch nie ein deutsches Fernsehteam in die Tiefen der österreichischen Gelddruckerei geschafft hätte. Man sollte meinen, sie hätten Dunkelzahn persönlich umgenietet, um an seinen Drachenhort zu gelangen. Und in der Tat besabber auch ich eine Zeit lang diese wahrhaft unglaublichen Berge von Banknoten und ergebe mich meinen eigenen Träumereien über den Transversalis Teleport/den Orden der Upeo/die Transportermöglichkeiten der USS Enterprise - sprich über Möglichkeiten, den menschlichen Körper und ein paar Gegenstände mit Kraft des eigenen Willens von Punkt A zu Punkt B zu befördern. Natürlich in Nullzeit und ohne Muskelkraft.

Und just genau in diese Spalte der absoluten Gehirnpause lässt die rote Sieben Nena heulen. Ich erfahre, wie schlecht ich doch bin, dass ich Pommes mag und wie toll man doch CO2-neutral kochen kann. Großartig. Ich halte mich durchaus für umweltbewusst. Ich trenne brav meinen Müll und nutze sogar ab und an mein Fahrrad. Ich bemühe mich, auch möglichst flach zu atmen, damit ich ja nicht zuviel CO2 produziere. Ganz schön schwer so auf dem Fahrrad. Während ich also pflichtbewusst meine Lunge festhalte, sehe ich, wie mir Pro7 stolz zeigt, wie toll doch unsere Verpackungsindustrie arbeitet (und noch eine Plastiklage. Plastik ist offensichtlich CO2-billig. Erdöl gibt's ja genug.), dass ein Sportwagen im Rückwärtsgang nach `zig Anläufen doch noch die alte Gurke ohne Kat überholen kann, dass rauchende, dieselgetriebene Spielzeugautos ganze Laster abschleppen können, was passiert, wenn man Handys, Spraydosen und andere Unterhaltungsgegenstände in die Mikrowelle legt und diese einschaltet (oder auch: Tod einer Mikrowelle - zehn spaßige Variationen. Scheinen sehr CO2-billig zu sein, diese Geräte) und andere, wissenschaftlich hoch wertvolle Informationen.

Ich werde in Zukunft also mein Auto von 30 rauchenden Spielzeugautos ziehen lassen. Das ist gut für die Umwelt. Da Abwaschen zuviel Wasser verbraucht und mein Spülmittel nicht CO2-neutral ist, nutze ich ab sofort Plastikbesteck. Das kann man wegschmeißen. Das ist gut für die Umwelt. Ich trockne meine Socken in der Mikrowelle und nutze sie ab sofort als netten Partygag. Das ist gut für die Umwelt.
Dabei lächle ich grenzdebil vor mich hin. Ob das durch meinen Erdfrieden kommt, oder einfach durch Sauerstoffmangel - das weiß wohl noch nicht einmal ein italienischer Naturwissenschaftler.


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